Jeder Freund war einmal ein Fremder

Elisabeth Sula ist weit gereist und hat viel gesehen. Ihrer Neugierde und Offenheit ist es zu verdanken, dass die sensible Künstlerin dabei immer wieder neue Seiten an sich selbst und ihrer Umwelt entdeckt hat, die sie eine einzigartige Bildsprache entwerfen ließen. Auch bei Böhler Edelstahl weiß man die Ausdruckskraft und Qualität dieser Sprache zu schätzen und hat die Wiener Kunstschaffende deshalb eingeladen, den Böhler Kunstkalender 2015 zu gestalten.

Vom Sein und Werden

Elisabeth Sula ist gebürtige Wienerin. Neben ihrem Studium der Philosophie und Kunstgeschichte genoss sie unter anderem eine Ausbildung in Malerei und Grafik bei Oswald Oberhuber in Wien. Ihre ersten Studienaufenthalte führten die  Künstlerin nach Italien und Asien. Im weiteren Verlauf ihrer Karriere aber auch in Länder wie Indien, Costa Rica und Indonesien. Neben verschiedenen Förderungen und Stipendien erhielt Elisabeth Sula im Jahr 1994 den Theodor-Körner Preis. Das künstlerische Engagement der preisgekrönten Wiener Kunstschaffenden tritt daneben auch in Form verschiedener Lehrtätigkeiten zu Tage, unter anderem in Deutschland und Griechenland. Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in ihrer Heimat, aber auch in Frankreich, Italien, der Türkei oder Indien belegen dabei das nationale und internationale Interesse an den Werken der gebürtigen Österreicherin, die bereits in mehreren öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden sind. Trotz der vielschichtigen positiven Resonanz in der Vergangenheit stellt sich Elisabeth Sula gerne immer neuen Herausforderungen. In diesem Sinne war es eine besondere Freude für sie, als das steirische Unternehmen Böhler sie dazu eingeladen hat, den  ‚Böhler Edelstahl Kunstkalender 2015‘ zu gestalten. Eine Aufgabe, der sich die talentierte Wienerin mit  Begeisterung und Hingabe widmete. Das Ergebnis lässt sich nicht nur sehen, sondern erleben. Denn hinter jedem gewendeten Blatt eröffnet sich  ein neues Geschenk für das Auge und die Seele der BetrachterInnen.

 

Sich auf eigene Art aneignen, was sie auf ihre Weise erkannt hat

„Bildung beinhaltet neben dem Erwerb von Wissen und der Aneignung von Fähigkeiten immer auch eine Kultivierung des Herzens.“ Dieser Gedanke beschreibt Elisabeth Sulas Zugang zum Leben und zur Kunst. Ihrer Intuition folgend begibt sich die Künstlerin auf immer neue Wege, um ihr Innerstes zu erforschen. Getreu dem Motto: „Man kann in der Kunst nur in die Tiefe gehen, wenn man bei sich selbst in die Tiefe geht.“ Die Ruhe und Kraft, ihre Erfahrungen gestalterisch umzusetzen, schöpft die  Künstlerin dabei  aus der Natur und der Meditation. Aber auch auf ihren Reisen nach Indien und in andere fernöstliche Länder sammelt Sula ihre Inspirationen für neue Projekte. „Der Weg zur eigenen Essenz ist eine nie enden wollende Aufgabe“, ist sich die Künstlerin bewusst, deren Arbeiten wie Projektionen von inneren Erkenntnissen wirken. Ihre Bilder  sind Seelenspiegel.  Denn jedes Gefühl, das ihre Bilder in uns auslöst, führt unweigerlich zu einer direkten oder indirekten Auseinandersetzung mit uns selbst. Der eigene Blick auf die Bilder wird im Zuge der Betrachtung transformiert und lässt uns hinter die Kulissen des eigenen Ichs spähen. Daraus ergibt sich eine besondere Art der Dynamik, die Sulas Arbeiten ihr ganz spezielles Wesen verleihen.

 

Am Ende des Regenbogens

Ein Thema, das Sula schon seit Jahren beschäftigt, ist die Macht der Farben. In den Augen der Künstlerin stellen diese eine unverzichtbare Nahrung für den Menschen dar. Besonders auf ihren Reisen nach Fernost wurde sie auf den Facettenreichtum von visuell wahrnehmbaren Tönen in ihrer Umwelt aufmerksam.  Angelica Bäumer, Kulturjournalistin und langjährige Freundin von Sula, beschreibt ihre Kunst folgendermaßen: „Elisabeth Sulas Malerei ist gegenstandlos, auch abstrakt, wenn man so will. Aber es liegt doch in jedem Bild ein Objekt, auch wenn es verborgen ist in den Farben und dem Rhythmus. Es sind weniger Figuren oder reale Objekte, eher in Form gebrachte Themen und Inhalte, die sich in ihren Werken ausdrücken. Elisabeth Sula macht es sich nicht leicht, weil alles, was sie sagen will, in ihr ruht und mehr und mehr ans Licht kommt, oder, besser gesagt, auf die Leinwand. Jedes Bild ist ein eigener Prozess, der von Innen nach Aussen drängt und Gestalt annimmt. Selbst wenn sie in Zyklen arbeitet, ist doch jedes Bild autonom, trägt einen selbstständigen Gedanken, der sich entwickelt aus dem immer tieferen Eindringen in die geistige und kreative Materie. Die Arbeiten entstehen in einer Art inneren Stille, wie sie durch Meditation kommt und durch Loslassen allzu oberflächlicher Gedanken und alltäglicher Mühen.“

Es werde Licht

 „Man kann mit einer Kerze tausend Kerzen anzünden, ohne dass die eigene dadurch aufhört zu leuchten.“, zitiert Elisabeth Sula eine Weisheit, die ihr künstlerisches Schaffen seit langer Zeit begleitet und motiviert. Ihr war es immer schon wichtig, ihr eigenes Potenzial zu erkennen und zunehmend zu leben, gleichzeitig aber auch andere an ihrer positiven Lebenseinstellung teilhaben zu lassen. „Ich brauche innere Ausgeglichenheit, um malen zu können.“Die positive Einstellung gegenüber sich selbst und ihrer Arbeit drückt sich in nahezu jedem Werk der  Wienerin aus. Ihre Bilder sprühen vor Kraft und Leben.

Frei sein in dem was man tut

Elisabeth Sula lässt ihrer Intuition beim Malen  freien Lauf.  „Ungeniert, frei und fließend ist die Fläche, hell, luftig und aufgebrochen. Nichts ist eingesperrt, alles hat seine Freiheit und darf sich in aller Großzügigkeit ausbreiten und den Raum bestimmen, ja beherrschen. Es ist, als würde jedes Bild nicht nur eine neue bemalte Leinwand sein, sondern eine neue Welt. Erfrischend und ungewöhnlich, ausufernd und ungeniert lässt Elisabeth Sula der Emotion freien Lauf und hält sich nicht auf mit technischen oder formalen Kriterien irgendeiner Schule oder Lehre. Aber gerade weil sie in allen Techniken des Westens und Ostens geschult ist, kann sie sich völlig frei dem Bild hingeben. Das Bild entsteht nicht weil sie malt, sondern indem sie malt. “ Angelica Bäumer führt so vor Augen, wie sich die Freiheit, die den Schaffensprozess der Künstlerin begleitet, auf der Leinwand ausdrückt. Man könnte die Wirkung dieser Freiheit aber auch mit den Worten der Künstlerin beschreiben, die über die Arbeiten des von ihr sehr geschätzten Mark Rothko sagt: „Seine Bilder lassen Größe spüren, größere Weite spürbar machen.“ Dem sei hinzugefügt: Sulas Arbeiten lassen uns  in die unendlichen Weiten der Emotion eintauchen, machen Größe mehr als erfahrbar und sind – einfach großartig!

Resümee

Elisabeth Sulas Arbeiten sind farbenfroh und stecken voller Leben. Ihr befreiter und gleichzeitig wertschätzender Umgang mit sich selbst und ihrer Umwelt, ermöglicht es der authentischen Künstlerin, Werke zu schaffen, die nicht nur Ausdruck ihrer eigenen Gefühlswelt sind, sondern einen unvermittelt zur Reflexion über das eigene Ich anregen. Ihre Kunst lässt sich nicht im eigentlichen Sinne betrachten, sondern ermöglicht etwas – vor allem in der heutigen Zeit – viel Essentielleres: Momente der Stille, in denen man ganz bei sich selbst ist.

Die Präsentation des Böhler Edelstahl-Kunstkalenders 2015 findet im Rahmen der Ausstellung der Bilder von Elisabeth Sula am 6. November 2014, ab 19.00 Uhr im Theatersaal des Hotels Böhlerstern, Friedrich-Böhler-Straße 13 in 8605 Kapfenberg statt.

Barbara Jernej

Kultur 80


Böhler Edelstahl Kunstkalender 2015

Das neue Jahr beginnt! Alles ist offen, ist frei vom Ballast des alten. Voll Hoffnung öffnet es sich mit all seinen Möglichkeiten und Chancen auf den ewigen Neubeginn, den wir stets erwarten. Auf der grossen blauen Fläche sind nur wenige Wege eingeprägt, manches können auch Brücken sein, die uns daran erinnern, dass wir nicht ganz von Vorne beginnen müssen, dass wir auf Erlebtes und Erfahrenes zurückblicken können und uns doch neugierig einlassen wollen auf das Neue.

„Man kann in der Kunst nur in die Tiefe gehen, wenn man bei sich selbst in die Tiefe geht.“ Dieser Gedanke von Elisabeth Sula kann als Motto über ihrer Malerei stehen und sie hat diese Erkenntnis sowohl in ihrem Studium – sie hat in Wien neben Malerei bei Oswald Oberhuber auch Philosophie studiert – als auch in ihren vielen und langen Aufenthalten in Asien gewonnen. Vor allem in Indien hat sie eine in Europa weitgehend verloren gegangene Spiritualität erlebt, die trotz aller Probleme und Sorgen des täglichen Lebens aus der Einsicht kommt, dass das Leben ohne eine geistige Dimension zur materialistischen Oberflächlichkeit verkommt. Diese Erfahrung und Erkenntnis hat Elisabeth Sula in ihre Kunst eingebracht.

In ihrem von ihr gestalteten Kalender mit sechs Serien zu je zwei Bildern durchwandert sie innere Entwicklungsprozesse als Spiegel für die äußeren Wandlungen in der Natur. Eine dynamische Stille welche Ruhe ausstrahlt und dennoch spürbar die Impulse des Neubeginns in sich trägt; das Wachsen des Bewusstseins; das Licht von Erkenntnis; der Fluss des Lebens; das Geheimnis von Transformation; das wissende Feld, welches das Verbundensein von allen Wesen zeigt.

Wenn wir uns auf jedes einzelne Werk einlassen, das uns den Winter, den Frühling, Sommer und Herbst symbolhaft vor Augen führt, dann ist es das, was Elisabeth Sula schon immer in ihrer Kunst zeigen will: den Sinn des Lebens und die Tiefe des Augenblicks; Emotion und Geist; Ordnung und Freiheit; Unbewusstes das sich in Bewusstsein wandelt.  

Es wäre nicht Elisabeth Sula, wenn sie die Geschichte des Jahres nicht in ihre großzügigen starken Farben tauchen würde. Mit Schwämmen, Pinseln und Walzen trägt sie Rot, Blau, Gelb, Violett auf und verwandelt das Jahr in einen Farbenrausch. Sie kommt ohne Gegenstand aus, ihre Realität ist die Komposition und das Licht, so vermittel sie die Tiefe der Erkenntnis, die Ernsthaftigkeit der Kunst, aber auch die Freude am Leben.

 © Angelica Bäumer

Kulturjournalistin und Autorin

Der Weg ist weit und wird doch nah

In der Kunst einzigartig zu sein, unverwechselbar und authentisch ist nicht einfach.

Die Globalisierung der Welt hat viele Schattenseiten – in der Wirtschaft, der Politik, der Ökologie, selbst in der Kunst. Weil zu Vieles austauschbar geworden ist, in allen Himmelsrichtungen kann man Gleiches, oder zumindest Ähnliches sehen. Der eilige Reisende findet überall das gleiche Hilton, er muss nicht einmal die heimische Küche kosten, überall gibt es Schnitzel und Burger.

Die Globalisierung hat aber auch Vorteile. Das Reisen ist einfacher geworden, die Distanzen sind scheinbar geschrumpft, auch wenn Indien immer noch einige tausend Kilometer entfernt ist. Schon einmal, in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts war die Sehnsucht nach dem Osten gross und trieb die Menschen Europas sowohl aus religiösen als aus philosophischen Gründen in die geistige Welt des Ostens, China, Tibet, Indien. Die grossen alten Kulturen, ihre Kunst, ihre Poetik, ihre Philosophie, selbst ihre Architektur, wie die Idee des Atriums, wurden zum Ziel vieler Künstler und Denker. Sekten, wie Mazdaznan beispielsweise, aber auch die Chassidische Welt wurden gierig aufgenommen und wurden teils wieder verworfen, aber auch zur Hoffnung des geistigen Abendlandes, das sich die Kraft aus dem Morgenlande zu holen versuchte, von dort, woher die Kultur einst kam. Dass diese Sehnsucht nach den Quellen des Denkens nicht gestillt wurde, dass es unzählige Missverständnisse gibt und Fehlinterpretationen, ist traurige Realität. Aber es war eine Hoffnung. Und die ist geblieben. Diese Sehnsucht nach den geistigen und spirituellen Quellen. Immer wieder machen sich Menschen auf, diese geistige Welt zu finden und zu ergründen. Ja, sie sich anzuverwandeln.

Warum erwähne ich diesen Zwiespalt der Moderne? Weil die Künstlerin, über die hier geschrieben wird, aus dieser Sehnsucht eines erweiterten Horizontes kommt. Nicht weil es ihr in Europa nicht gefallen würde, sondern weil sie weiß, dass Europa nicht die Quelle ist, die sie sucht. Und sie findet diese Quelle seit Jahren schon in Asien, in Indonesien, Burma, Thailand, besonders aber in Indien. In einem Land das noch immer voller Geheimnis ist, das sich erst langsam erschließt und auch nur dem, der sich einlässt auf das Andere, das Fremde. Es bedarf großer Geduld und Hingabe, auch die Fähigkeit das Pittoreske vom Inhaltlichen zu trennen, um das zu erkennen, dem Geheimnis näher zu kommen und sich selbst zu entdecken. Dann, und nur langsam, legt sich das bloß, was in einem selbst angelegt ist und was zum Vorschein kommt beim Anblick und Eintauchen in diese an sich fremde Kultur. Dann kann diese Begegnung zu einer Art Initiation, ja, zu einer Erleuchtung werden.

Elisabeth Sula ist viele Jahre und oft für mehrere Monate nach Asien gereist. Sie hat sich ihrer Sehnsucht hingegeben, und ihr Suchen nach dem Fundament ihres Lebens, aber besonders für ihre Kunst, war nicht einfach. Das Erkennen der eigenen Möglichkeiten und die Fähigkeit eine wesentliche Erweiterung von Seele und Geist zuzulassen, bedeutet, dass man Loslassen muss. Sich befreien von Modellen und Traditionen der Welt, in die man nun mal hineingeboren wurde und aufgewachsen ist. Es geht um nichts weniger, als darum, sich leer zu machen, wie es im Zen heisst „den Mittelpunkt des Lebens zu finden“, das Bewusstsein soweit als möglich auszuschalten und sich ganz dem Moment der Stille hinzugeben. Dann, so meinen die Zenmeister, entsteht erst das wahre Leben.

Elisabeth Sulas Malerei ist gegenstandslos, auch abstrakt, wenn man so will. Aber es liegt doch in jedem Bild ein Objekt, auch wenn es verborgen ist in den Farben und dem Rhythmus. Es sind weniger Figuren oder reale Objekte, eher in Form gebrachte Themen und Inhalte, die sich in ihren Werken ausdrücken. Elisabeth Sula macht es sich nicht leicht, weil alles, was sie sagen will, in ihr ruht und mehr und mehr ans Licht kommt, oder, besser gesagt, auf die Leinwand. Jedes Bild ist ein eigener Prozess, der von Innen nach Aussen drängt und Gestalt annimmt. Selbst wenn sie in Zyklen arbeitet, ist doch jedes Bild autonom, trägt einen selbstständigen Gedanken, der sich entwickelt aus dem immer tieferen Eindringen in die geistige und kreative Materie. Die Arbeiten entstehen in einer Art inneren Stille, wie sie durch Meditation kommt und durch Loslassen allzu oberflächlicher Gedanken und alltäglicher Mühen.

Nie noch hat sich Elisabeth Sula sozusagen „gedankenlos“ an ihre Arbeit gemacht. Manchmal waren ihre Arbeiten dekorativ und hatten Muster, aber zunehmend wurden die Bilder einerseits strenger, andererseits luftiger und offener. Überschwänglich in der Farbe, lässt Sula ihnen mutig freien Lauf, grosse Flächen lässt sie auch schon mal frei, öffnet damit jeder Assoziation Raum und bietet das Bild dem Betrachter zur Interpretation. Er soll sich aneignen auf seine Weise, was sie erkannt hat auf ihre Weise.

Was bei den Arbeiten der letzten Jahre besonders auffällt ist die grosse Geste, die vielleicht aus der Grösse der Leinwand kommen mag, aber auch aus der künstlerischen Kraft, mit der Elisabeth Sula an das Bild herangeht. Ungeniert, frei und fließend ist die Fläche, hell, luftig und aufgebrochen. Nichts ist eingesperrt, alles hat seine Freiheit und darf sich in aller Grosszügigkeit ausbreiten und den Raum bestimmen, ja beherrschen. Es ist, als würde jedes Bild nicht nur eine neue bemalte Leinwand sein, sondern eine neue Welt. Erfrischend und ungewöhnlich, ausufernd und ungeniert lässt Elisabeth Sula der Emotion freien Lauf und hält sich nicht auf mit technischen oder formalen Kriterien irgendeiner Schule oder Lehre. Aber gerade weil sie in allen Techniken des Westens und Ostens geschult ist, kann sie sich völlig frei dem Bild hingeben. Das Bild entsteht nicht weil sie malt, sondern indem sie malt.

„Es malt“ hat mir einmal ein berühmter Künstler gesagt, weil Kunst zu machen weniger mit Intellekt als mit Emotion und Hingabe zu tun hat. So wird jedes Bild ein Stück ihrer Person, aber jedes Bild erweitert auch ihr Bewusstsein und lässt sie Bild um Bild malen, „wie man in einem Buch eine Seite umblättert“, wie sie selbst sagt. Es gibt keinen Bruch zwischen Bild und Bild, auch, oder gerade weil, jedes Bild völlig selbstständig ist. Sicher und souverän hat die Künstlerin das gefunden, was letztendlich alles zusammenhält: das Überwinden des Bruches, weil Leben und Kunst Eins werden in der Überwältigung der Aporie und aller Missverständnisse. So wachsen in der Kunst von Elisabeth Sula West und Ost zusammen in der Schönheit ihrer Bilder.

© Angelica Bäumer

September 2014

 


Elisabeth Sula – Orte des Glücks

Die Künstlerin Elisabeth Sula nennt ihre aktuelle Ausstellung im Novomatic-Forum Orte des Glücks. Die Interpretationen dessen, was ein Ort des Glücks ist oder sein kann, sind vielfältig und jeder trägt dazu seine eigenen Bildern und Assoziationen mit sich.

Orte des Glücks können gedachte Orte sein, wie Clemens Brentanos Vaduz am Dachboden seiner Kindheit oder auch Plätze denen man real als Orte des Glücks begegnet ist. Oft denken wir uns Orte aus, die wir vermeintlich als Orte des Glücks bezeichnen, obwohl wir sie gar nicht kennen. Doch können sich diese auch ganz unmittelbar in unserer Umgebung befinden bzw. auch mit Begegnungen und Menschen zusammenhängen. Das Streben nach Glück ist so alt wie die Menschheit selbst. In der Erfüllung jedoch erweist sich dies als vielschichtiger Begriff, der vom Empfinden eines momentanen Glücksgefühls bis hin zu einer anhaltenden Glückseligkeit reicht.

In der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten wurde das Streben nach Glück als Pursuit of Happiness auch als Recht des Menschen verbrieft. Für die Kunst war das Glück ebenso ein Thema, das sich kontinuierlich durch die Kunstgeschichte zieht – vom Paradies bis zum neuzeitlichen Arkadien. Die zeitgenössische Kunst hat durch die Abstraktion jedoch neue Möglichkeiten der Darstellung entwickelt, die weit mehr in die oft sprachlich nicht mehr fassbaren Zwischenbereiche des Lebens ausgreifen können.

Elisabeth Sula wurde 1962 in Wien geboren und studierte Malerei und Grafik an der Universität für angewandte Kunst bei Oswald Oberhuber, sowie parallel dazu Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Wien. In ihren Bildern bindet sie daher stets die Philosophie thematisch bzw. als Ausgangsbasis ihrer Intentionen ein.

„Man kann in der Kunst nur in die Tiefe gehen, wenn man bei sich selbst in die Tiefe geht“ ist einer ihrer Leitgedanken. So wurzeln ihre Bilder in einer Sehnsucht nach Bewusstsein und Authentizität. Nach einer Werkphase monochromer Bilder entdeckte die Künstlerin durch ihre Aufenthalte in Indien die Farbe und auch das Wissen um die Spiritualität, die sie versucht in ihren Arbeiten wie „Healing Rooms“, „Knowing Fields“ oder „Centering“ zum Ausdruck zu bringen. Arbeiten wie „Celebrate Joy“ stehen dabei für Lebensfreude und für die Vielfalt des Lebens selbst.

Ausgangsbasis der neuen Arbeiten ist auch wieder die Natur. Gesehenes, Stimmungen, der Alltag oder die Natur bilden Archetypen eines Formenrepertoires, das sich die Künstlerin als Auslöser für eine künstlerische Umsetzung auf der Leinwand in Gedanken abruft. Ihre Bilder zeigen die Motive jedoch jenseits eines literarischen oder dokumentarischen Blickwinkels, vielmehr übersetzen sie sie in ein abstraktes Formenrepertoire. Das Abbildhafte, Illustrative der Objekte verschwindet, die Setzung der Farben im Bildgrund wird zunehmend wichtiger und der Zeichenduktus entzieht sich jeder Beschreibung. Das Bild ist im eigentlichen Sinn ungegenständlich und bleibt dennoch offen für Assoziationen.

Elisabeth Sula entwickelt auf der Leinwand eine eigene Welt, die nicht im Widerspruch zur Natur steht, jedoch versucht, mittels der Möglichkeiten der Kunst den Ursprüngen jeglicher Gestaltung auf den Grund zu gehen und diese Grundelemente der Natur auf eine andere, vielleicht ungewohnte Ebene zu bringen. So gesehen ist ihre Malerei an einer besonderen Schnittstelle angesiedelt. Dort wo die beiden Systeme, jenes der Natur selbst und jenes der Malerei zusammentreffen. Vielleicht ist es daher wirklich so, wie Nietzsche schrieb, dass die Kunst den Menschen hilft, sich das Ganze des Daseins bewusst zu machen. Ein Mittel zu einer sensiblen Annäherung an die Zwischenräume unseres Alltags ist sie allemal.

Mag. Silvie Aigner
Kuratorin
Mai 2011

Artikel in der Wiener Zeitung am Samstag, 19. Juli 08 (0.24 MB)

Elisabeth Sula und ihre Bilder


 „Man kann in der Kunst nur in die Tiefe gehen, wenn man bei sich selbst in die Tiefe geht.“ Dieser Gedanke von Elisabeth Sula kann als Motto über ihrer Malerei stehen und sie hat diese Erkenntnis sowohl in ihrem Studium – sie hat in Wien neben Malerei bei Oswald Oberhuber auch Philosophie studiert – als auch in ihren vielen und langen Aufenthalten in Indien gewonnen. Vor allem in Indien hat sie eine in Europa weitgehend verloren gegangene Spiritualität erlebt, die trotz aller Probleme und Sorgen des täglichen Lebens aus der Einsicht kommt, dass das Leben ohne eine geistige Dimension zur materialistischen Oberflächlichkeit verkommt.

Diese Erfahrung und Erkenntnis hat Elisabeth Sula in ihre Kunst eingebracht. Sie schafft es eine Welt in ihren Bildern zu vermitteln, die scheinbar einfach ist, aber wie alles, was so einfach aussieht, ist es auch hochkompliziert. Der erste Blick auf ihre Bilder zeigt eine bunte Heiterkeit, die klaren Farben, die symmetrischen Kompositionen und Muster stellen eine positive Welt vor, die auf den flüchtigen Betrachter unmittelbar wirkt. Aber es bedarf eines weiteren Blickes, um die Tiefe zu erkennen, die als Muster eingesetzten Stempel als Ordnungsprinzip, die Räume umschließen und gleichzeitig öffnen. Sie lenken hinter die Fassade, die plötzlich wie ein Fenster ist, hinter dem sich eine Welt auftut und in unbekannte Räume führt. Die gemalten Rahmen schließen das Bild, wie zum Schutz, aber sie engen nicht ein, denn der Blick geht in die Tiefe, lotet Räume aus voller Geheimnis.

Nicht nur in die Tiefe, auch in die Höhe führt Elisabeth Sula ihre Malerei. Farbbänder lenken den Blick in unbekannte Höhen, sind aber doch fest verankert in einem imaginären Boden. Sie öffnen sich wie Gefäße oder schließen sich zu einem angedeuteten Kreis, der alles zu umfassen scheint, das Leben und den Tod. Auch die vielen Blumenbilder sind nicht einfach die Blumen aus dem Garten, sondern Symbole, Zeichen. Sie sind Potential der inneren Gestimmtheit. Dafür sind die
Bilder, die wie orientalische Teppiche wirken, Elisabeth Sulas Gärten – ihre Ersatzgärten, aber keine realen oder Monet’schen Gärten, sondern solche der inneren Sehnsucht nach Ruhe, Ordnung und der Stille des Seins.

Eine Bilderserie, die HEALING ROOM heißt – und die sie in der Wiener Privatklinik ausgestellt hat – macht deutlich, worum es ihr geht: sie hat selbst in der Meditation die Erfahrung der heilenden Kräfte erfahren und sowohl ihre geistige Arbeit, wie ihre jahrelange reichianische Köperarbeit haben ihr den Umgang mit jenen heilenden Kräften gezeigt, die aus uralten Quellen kommen
und denen man sich vertrauensvoll überlassen muss. Natürlich ist ein Krankenhaus ein Ort der Heilung – der wahre Ort der Heilung aber kommt aus dem Inneren jedes Einzelnen. Willhelm Reichs Vision des entpanzerten, lebendigen strömenden Menschen, der zu seiner Unterstützung auch ein entsprechendes soziales und gesellschaftliches Umfeld braucht, ist für die Künstlerin sehr inspirierend. Ressourcenstärkende Inseln schaffen in einer kranken, weil gepanzerten
Gesellschaft, ist ihr ein Anliegen.

Elisabeth Sulas Malerei ist Farbe und Komposition. Sie malt mit starken, fast ungemischten Farben, leuchtend und kraftvoll. Farbe – immer wieder Farbe – Rot die Farbe des Lebens, Grün für Wachstum, Gelb für das Licht. Und sie setzt ihre ungegenständlichen, geometrischen oder vegetativen Motive um in Statik und Bewegung, in Raum und Fläche. Man spürt die Freude am Tun, als tief empfundene Erkenntnis des Lebens und Schaffens, das jene innere Bestimmtheit bringt, die Kraft gibt und Ausgeglichenheit, und die Voraussetzung ist für künstlerisches Tun.

Angelica Bäumer
Kulturjournalistin und Autorin
November 2007

Guiding Vision

Laotse, der große chinesische Weise, der um 600 v. Chr. lebte, schrieb seine tiefgründigen Erkenntnisse über den kosmischen Sinn und das menschliche Leben auf Bitten eines Grenzbeamten nieder, als er gegen Ende seines Lebens sein Land verließ. Diesem Werk wurde später der Name Tao te king gegeben, ein Titel aus drei chinesischen Schriftzeichen, die Richard Wilhelm mit "Das Buch (king) vom Sinn (tao) und Leben (te)" übersetzte.

Das Tao te king eröffnet eine Weltsicht, die unabhängig von Raum und Zeit mitten in den Urgrund allen Lebens und allen Seins führt. Ohne Kenntnis der Zusammenhänge der universalen Ordnung und Gesetze können wir uns selbst nicht verstehen und unsere selbstgeschaffenen Probleme nicht lösen. Im Tao te king wird in 81 knapp und präzise gefassten Lehrsprüchen die kosmisch-menschliche Ordnung vorgestellt, aus der sich gültige Lebensideale für den Menschen ableiten. Da vernünftiges Handeln auf der Gültigkeit der Gedankenfundamente beruht, ergeben sich aus Laotses geistiger Weisheitsschau großartige Anregungen für ein wirkungsvolles Tun. Wer sie beherzigt, findet zu innerer Kraft und Stärke.

Mein Bild "GUIDING VISION" bezieht sich inhaltlich auf einen Text aus dem Tao te king:

Also auch der Berufene:
Er ist Vorbild, ohne zu beschneiden,
er ist gewissenhaft, ohne zu verletzen,
er ist echt, ohne Willkürlichkeiten,
er ist licht, ohne zu blenden.

Die Universalität dieser jahrtausendealten Anschauung ist geistiger Mentor für mein Acrylbild, welches in abstrakter visueller Bildsprache die Themen: Integrität, Vorbildlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Hilfe, Schutz, Sicherheit, Licht und Wärme assoziativ vermittelt.

Die helleren Acrylfarbschichten sind vielschichtig lasierend über einen dunklen Malgrund aufgetragen  wodurch eine Bildtiefe und ein komplexer Farbenreichtum entstehen. Warme Töne in vorwiegenden Rot-, Orange- und Gelbnuancen regnen über die Bildfläche. Oben und Unten, Himmel und Erde, das Geistige und das Profane, symbolisch verbindend. Wie ein Feld von schützender Umhüllung biegen sich Kaskaden von sich wiederholenden Ornamenten um ein lichtes Innenfeld – das Sein. Das englische Wort Guidance bedeutet Lenkung, Leitung, Führung, Anleitung, Richtschnur, Führungsschiene, Studienberatung, Orientierung. (Ein guide ist ein Ratgeber; ist Vorbild, Leitfaden, Wegweiser, Führung) Vision bedeutet Sehen, Sehvermögen, Vision, Wunschbild, Erscheinung, Anblick, Vorstellungskraft, Phantasie, Voraussicht, Weitblick, große Schönheit.

Das Bild "GUIDING VISION" ist als ein visueller farben- und lichtvoller Anker gedacht, der die Bedeutung des Angeschlossenseins an höhere Ideale und Wertvorstellungen symbolisch transportiert. Bildung beinhaltet neben dem Erwerb von Wissen und der Aneignung von Fähigkeiten immer auch eine Kultivierung des Herzens. Das Bild Guiding Vision möchte den Betrachter motivieren, sich mit seinen persönlichen Lebens-Visionen auseinanderzusetzen: Wovon lasse ich mich im Leben lenken, leiten, führen; welche Ausrichtung zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben, gibt mir Kraft und Stärke?!

Elisabeth Sula



Guiding Vision and Healing Room

Im Vorjahr erhielt Elisabeth Sula den Auftrag, ein Gemälde für die lichtdurchflutete Eingangshalle des neu erbauten Bildungszentrums zu schaffen. Vom Hausherrn wurde der Wunsch geäußert, das Bild solle auch die Leitlinien des Hauses transportieren, die genannt wurden als Integrität, Vorbildlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Hilfe, Schutz, Sicherheit und Wärme - Begriffe, die Elisabeth Sula auf ihre ganz besondere Art und Weise umsetzte.

Elisabeth Sula hat neben Malerei an der Universität für angewandte Kunst (bei Prof. Oswald Oberhuber) auch Philosophie studiert und sich mit fernöstlichen und westlichen Denk- und Handlungstraditionen beschäftigt. Studienaufenthalte führten sie in verschiedene Länder, unter anderem wiederholt und monatelang nach Indien, ein Land, dessen Kultur und Mentalität ihr Leben, ihre Kunst und ihre Wahrnehmung sehr beeinflusst hat. Vom Anbeginn ihrer künstlerischen Auseinandersetzung war sie mit ihren Arbeiten auf der Suche nach der Wahrheit, nach dem Sinn, der Essenz des menschlichen Seins. Und von Anbeginn an wichtig war ihr die Bedeutung von Farben und Symbolen in den unterschiedlichen Kulturkreisen. Ihre Bilder verstehe ich als Gedanken und Ideengebäude, wobei ich Sie als Betrachter und Betrachterinnen herzlich einladen möchte, sich auf diesen Prozess der Wahrnehmung und auf diese Reise nach Innen einzulassen und sich versuchsweise wie die Künstlerin auf die Suche nach dem Kern der wirklich wichtigen Dinge auf die Suche nach dem wahren Sinn des Lebens - zu begeben.

Für ihren monumentalen Auftrag hier in Traiskirchen bezog sich die Künstlerin auf ein für sie ganz besonders wertvolles Buch: das Tao te king das Buch (king) vom Sinn (tao) und Leben (te), des großen chinesischen Philosophen und Weisen Laotse. Das Tao te king entstand 600 v. Chr., es wurde nieder geschrieben kurz vor dem Tod des Philosophen und auf Anraten eines Mannes in Uniform, eines Zoll- oder Grenzwächters. Das Buch vom Sinn und Leben eröffnete damals wie heute eine Weltsicht, die unabhängig von Raum und Zeit mitten in den Urgrund allen Lebens und Seins führt. Es zeigt die Zusammenhänge der universalen Ordnung und Gesetze. In 81 knappen, präzisen Lehrsprüchen wird die kosmisch-menschliche Ordnung vorgestellt, aus der sich die Lebensideale für uns Menschen ableiten lassen. Es ist ein Buch, das mit seinen Weisheiten und Anweisungen eine Brücke schlägt zwischen Stärke und Schwäche, zwischen hart und weich, oben und unten, innen und außen, Himmel und Erde. Das Tao steht für den Sinn, die Ordnung des Lebens. Wer diese Ordnung beherzigt, findet zu innerer Kraft.

Eine Textpassage des 58. Lehrspruches aus dem Tao te king führt Elisabeth Sula in ihrem Konzept an, in der der Weise, der Berufene folgend beschrieben wird:

er ist Vorbild, ohne zu beschneiden,
er ist gewissenhaft, ohne zu verletzen,
er ist echt, ohne Willkürlichkeiten,
er ist licht, ohne zu blenden.

Das 6,5 x 2,65 Meter große Bild nennt die Künstlerin "GUIDING VISION" sie meint damit eine Vision, die als Wegweiser und als Führung, als Richtschnur dienen kann, die schützt und leitet, ein geführter Blick nach Innen. Kaskaden von sich wiederholenden Ornamenten fließen um ein lichtes helles Innenfeld  das Sein. Elisabeth Sula beschreibt Guiding Vision als einen visuellen farb- und lichtvollen Anker, der für sie die Bedeutung des Angeschlossen seins an höhere Ideale und Wertvorstellungen symbolisch transportiert. Es verbindet Oben und Unten, Himmel und Erde, das Geistige und das Profane.

Das Bild wird dominiert von zwei Farben: gelb und rot, von denen Goethe in seinem Buch der Farbenlehre um 1800 schreibt:

Gelb - es ist die nächste Farbe am Licht...es ist verwandt dem Gold... es hat eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft... Gelb gilt als erwärmend... das Auge wird erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt erheitert und unmittelbare Wärme scheint uns anzuwehen.
Rot - die Farbe gibt einen Eindruck sowohl von Ernst und Würde, als von Huld und Anmut ... rot wurde ihrer hohen Würde wegen auch Purpur genannt... eine Umgebung von dieser Farbe ist immer ernst und prächtig ... es zeigt eine wohlerleuchtete Landschaft in furchtbarem Lichte. So müßte der Farbton über Erd und Himmel am Tage des Gerichtes ausgebreitet sein.

Für Elisabeth Sula soll Guiding Vision die Verbindung stärken zwischen dem Profanen und der spirituellen Energie. Für sie steht das Rot für das Profane, für Erde, Blut, das Gelb für die spirituelle Energie. Bei Goethe heißt es an anderer Stelle In dem Roten ist SUCHEN und BEGEHREN, im dem Gelben ist FINDEN und ERKENNEN. Das Bild birgt für die Künstlerin auch Elemente aus der Zahlensymbolik.

Zu sehen sind:
- 3 gelbe, kaskadenartige vertikale Lichtbahnen
- 10 zwischen gelb und rot vermittelnde Pinselstriche
weiters stilisierte Schutzsymbole aus der buddhistischen Ikonographie, die wie ein Band von oben nach unten oder von unten nach oben laufen, und zwar
- 14, beziehungsweise 2 x 7 herzförmige Symbole des dreiteiligen Blattes des Bodhi-Baumes (Der Bodhi-Baum ist eine Art Feigen-Baum, unter dem Buddha der Legende nach erleuchtet wurde, Bodhi steht für Weisheit.)
- 11 Sonnenmotive

Die Künstlerin beschreibt die Zahlensymbolik folgendermaßen: Das Rad des Schicksals (10) möge getragen sein von Kraft und Lebensfreude (11) in Gerechtigkeit und harmonischem Ausgleich der Energien (14) für Körper, Geist und Seele (3).

Das monumentale Bild hat eine ungeheure Strahl- und Wirkkraft, die sich aus den Farben, Formen und Symbolen zusammensetzt. Das ist bei all ihren Arbeiten ähnlich. Im Haus zu sehen sind fast 50 Bilder aus den letzten fünf Jahren. Elisabeth Sula arbeitet meist in Serien, für die sie jeweils eine eigene Technik entwickelt und anwendet. Meist baut sie auf einem dunklen Malgrund auf, gleich einem tiefen, dunklen Seins-Grund auf den Farb-Schicht für Farb-Schicht gelegt wird, dadurch erzielt sie die angestrebte räumliche Tiefe.

Elisabeth Sula will mit ihren Arbeiten eine Innenschau anregen, wie sie selbst es formuliert. Sie ist eine leidenschaftliche Malerin. Malerei bedeutet für sie Lust, energetisches Fließen, strömendes Lebendig sein. Sie will berühren und berührbar machen, heilende Räume kreieren, in die wir uns begeben können, in denen wir unserem Wesenskern näher kommen können. Ihre Farbkaskaden gleichen einer Energie-, Farb- oder Lichtdusche, in die wir uns stellen können, um unser Heilsein, unser Heilwerden zu aktivieren.

Für mich wirken ihre Arbeiten als eine Art von zweidimensionalen Meditationsräumen. Blicke in diese Räume sind wie neue Sichtweisen, für die wir uns öffnen können in die wir eintauchen wie in einen Prozess, wie in ein Bad, das uns erfüllt mit weichen, wohlduftenden, wohlig warmen Empfindungen im Innen wie im Außen geistig und körperlich zur Entspannung, um Kraft zu tanken, oder wie ein geschmeidiges Tuch, in das wir uns hüllen und das uns Schutz gibt vor Kälte und Widrigkeiten jeder Art. Ein wohltuender Raum mit allen sinnlichen Qualitäten, die assoziiert werden können feiner Geruch, sanfte Berührung und Wärme, spürbare Energie, die Melodien der Farbklänge und töne. Die Bilder tragen und vermitteln Schwingungen, die für einige Betrachter und Betrachterinnen sicherlich gut spürbar werden.

"HEALING ROOM", heilender Raum, nennt die Künstlerin ihre neuesten Arbeiten, die in den letzten Monaten hier in Traiskirchen parallel zu "GUIDING VISION" entstanden sind und wiederum eine völlig neue Entwicklung aufzeigen. Verwendet werden vorwiegend Grün- und Blautöne, die sofort Natur und Wasser assoziieren lassen. Sie werden gruppiert zu Farbflächen, Mustern oder wie in der Serie im 1. Stock zu rotierenden, strahlenden Halbkreisen. Die Bilder dieser Serie erinnern zum Teil an Stoff- oder Teppichmuster, eine Wirkung, die vor allem durch die letzte Schicht, der in Rechteck oder Quadrat angeordneten ornamentalen Reihen mit floralen Motiven erzielt wird. Die verwendeten Symbole sind wieder der Bodhi-Baum, aber auch Rosen, Ranken und andere Bordüren. Gleich Fenstern erlauben uns diese Energieräume Blicke in andere Seelenlandschaften, diesmal vielleicht blühende innere Gärten oder (Unter-)wasserwelten. Bekannt sind vielleicht die reich geschmückten Nomadenteppiche, die unterwegs ausgebreitet auf der trockenen Erde den Nomaden einen grünen Rasen und blühenden Garten ersetzen. Sie symbolisieren das fruchtbare Leben der Natur.

Die Bilder dieser Serie sind schön im wahrsten und einfachsten Sinne des Wortes. Das ist nicht selbstverständlich und das muss auch nicht sein Kunst hat nicht den Auftrag im herkömmlichen Sinn ästhetisch schön, ansprechend, farbenfroh zu sein. Kunst bearbeitet die verschiedensten Themenfelder, es gibt schwierige Kunst, kritische Kunst, schockierende Kunst. Kunst kommt nicht von Können, Kunst kommt von TUN, Kunst ist ein kreativer Prozess. Und jede Kunst hat ihre Berechtigung. Doch um so angenehmer, unser Herz öffnend, wärmend, und unsere Seele heilend ist die Malerei, die sie hier im Bildungszentrum Traiskirchen sehen können.

Elisabeth Sulas Worte und ihrer Definition für Bildung:
Bildung beinhaltet neben dem Erwerb von Wissen und der Aneignung von Fähigkeiten immer auch eine Kultivierung des Herzens.

Mag. Andrea Überbacher
Kunstvermittlerin
April 2004

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Kunst am Bau Projekt: Guiding Vision von Elisabeth Sula im Bildungszentrum Traiskirchen, NÖ

´Kunst und Exekutive Kreatives Miteinander im Ausbildungszentrum Traiskirchen´


Kunstwerke in Bürogebäuden, Schulungs- oder anderen öffentlichen Einrichtungen sind oft eine umstrittene Sache: Architekten fühlen sich in ihren Intentionen missverstanden, Mitarbeiter oder Besucher nicht selten provoziert. Ein gelungenes Beispiel für die Integration eines Kunstwerkes am Bau wurde Anfang April im Exekutiv-Ausbildungszentrum Traiskirchen in Niederösterreich der Öffentlichkeit präsentiert. Hauptgrund des Festaktes am 2. April war die Ausmusterung der Teilnehmer des ersten Führungskräftelehrgangs, der gemeinsam für Polizei, Gendarmerie und Kriminalbeamte abgehalten wurde. Das Bild passt an diesen Platz, als ob es immer schon dort gewesen wäre, freut sich Brigadier Rupert Fehringer, Leiter des Ausbildungszentrums, über das 6,5 x 2,5 m große Kunstwerk, das die international renommierte Künstlerin Elisabeth Sula für den hohen, Licht durchfluteten Eingangsbereich der Exekutiv-Bildungsstätte geschaffen hatte.


Guiding Vision ist der Titel des in warmen rot-gelben Farbtönen gehaltenen Gemäldes, mit dem Sula auf die Leitmotive des Hauses wie Hilfe, Schutz und Sicherheit Bezug nimmt. Inspirieren ließ sie sich vom großen chinesischen Weisen Laotse. Sein Buch Tao te king aus dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstand übrigens auf Anraten eines Mannes in Uniform, eines Grenzwächters, wie die Kunsthistorikerin Andrea Überbacher bei der Präsentation ausführte.


Elisabeth Sula, Absolventin der Hochschule für Angewandte Kunst, war vom Verein Gendarmerie aktiv beauftragt worden, die Eingangshalle des vor zwei Jahren eröffneten Zentrums zu gestalten. Ein Verein, der trotz ungewisser Zukunft angesichts der Zusammenlegung von Gendarmerie und Polizei, damit noch ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben hat. Präsident des Vereins und Initiator der Bildgeschichte ist ÖBV-Generaldirektor Dr. Johann Hauf und  so schließen sich die Kreise immer wieder: Im Wiener Atrium der ÖBV hatte Elisabeth Sula schon im Jahr 2002 mit einer Ausstellung die ÖBV-Familie begeistert.


Die Maße des Bildes in Traiskirchen waren auch für Elisabeth Sula eine Herausforderung: Ihr Atelier im Wiener Stadtteil Kaisermühlen war schlicht zu klein, doch eine Lösung war gemeinsam mit dem Ausbildungszentrum bald gefunden: Ein als Kantine vorgesehener noch leer stehender Raum wurde der Künstlerin zur Verfügung gestellt und sie übersiedelte mit allen Malutensilien für drei Monate nach Traiskirchen anfangs durchaus "mit gemischten Gefühlen" wie sie eingesteht, die aber bald großer Begeisterung wichen. "Ich war überrascht von der warmherzigen Atmosphäre in diesem Haus, vom herzlichen Umgang der Menschen miteinander und von der liebevollen Aufnahme, die ich dort gefunden habe."


Nach den drei Monaten im Exekutiv- Atelier fällt der Abschied schwer, ihr und auch den MitarbeiterInnen des Ausbildungszentrums. Die positive Beziehung, die zwischen der Künstlerin und den MitarbeiterInnen des Ausbildungszentrums in diesem Vierteljahr entstanden ist, ist beim Festakt am 2. April deutlich zu spüren und sie schließt das Werk ein: Der Stolz auf und die Freude über die gelungene Gestaltung der Eingangshalle ist den MitarbeiterInnen anzusehen. Neben der künstlerisch-ästhetischen Integration ist es den Organisatoren des Festaktes aber auch ausgezeichnet gelungen, zwei so unterschiedliche Events wie eine Ausmusterungsfeier inclusive Fahnenweihe und die Präsentation eines Kunstwerks als Gemeinsamkeit unter einen Hut zu bringen. Für die 305 ausgemusterten zukünftigen Führungskräfte war es sicher ein erinnerungswürdiger Abschluss ihrer 30-wöchigen Ausbildung.


Die Stadt Traiskirchen würdigte das Ereignis noch zusätzlich mit einer neuen Fahne für das Ausbildungszentrum. Und Elisabeth Sula hat wohl während ihrer Arbeit im Aus-Bildungszentrum Traiskirchen eine Bestätigung für ihre Definition von Bildung gefunden: "Bildung beinhaltet neben dem Erwerb von Wissen und der Aneignung von Fähigkeiten immer auch eine Kultivierung des Herzens."


Artikel in ÖBV aktiv
Herbst 2004

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ÖBV aktiv hat mit Elisabeth Sula folgendes Gespräch geführt:

Bei Ihrer Vernissage hat Frau Prof. Bäumer in ihrer Einführung die Veränderungen im Stil Ihrer Arbeiten während der letzten Jahre erwähnt. Wie würden Sie selbst Ihre künstlerische Entwicklung charakterisieren?

Frau Prof. Bäumer kennt meine Arbeiten seit etwa zehn Jahren. Als wir uns kennen lernten, habe ich sehr viele plastische Arbeiten mit Papiermachee auf Leinwand und auf Drahtgitter gemacht. Papiermachee sieht aus wie Gips, ist aber leichter, nicht so zerbrechlich wie Gips und lässt sich wie Ton bearbeiten. Ich habe sehr viele Arbeiten in Weiß gemacht, und diese meine Zen-Serie genannt. Es war mir wichtig, eine Spannung zu vermitteln und ich habe versucht, das mit sehr reduzierten Mitteln auszudrücken, mit Licht und Schatten, denn die Objekte lebten von Licht und Schatten. Ich habe damals mehrere Ausstellungen mit großem Erfolg in Paris gehabt.

Mir war es aber immer wichtig, mich in unterschiedlicher Weise auszudrücken, ich habe auch viel fotografiert und Objektarbeiten gemacht.


Weiße Arbeiten – im Vergleich zu den Bildern, die Sie bei uns ausgestellt haben, da sind doch Welten dazwischen?

Ich habe zu den weißen Arbeiten gemalt, aber eher monochrome Bilder gemalt. Das Bunte ist eigentlich mit meinen Reisen, vor allem nach Indien, entstanden.


Wie hat sich Ihre Beziehung zu Indien entwickelt?

Durch meine spirituelle Sinnsuche; ich hatte ein intensives Bedürfnis wegzufahren, etwas Neues zu beginnen, eine Distanz zu meinem damaligen Leben aufzubauen. Beeinflusst hat mich u.a. die Lektüre eines indischen Meisters, eines Philosophen und Literaturprofessors aus Nordindien. Seine Texte haben mich sehr berührt und ich empfinde Indien überhaupt als ein Land, wo Spiritualität traditionell quasi in der Luft liegt. Ich habe mich bei meinen Indien-Aufenthalten immer sehr reich beschenkt gefühlt – von allem, vom Land, der Kunst und Kultur sowie von den Begegnungen mit Menschen. Seit 1995 bin ich regelmäßig in Indien. Und ich habe das Gefühl, in zunehmendem Maße, in dem ich in mich selbst hineingehe, meine eigene Seele ergründe, meine Tiefe kennen lerne, setzt sich das in meinen Bildern um.


Innere Landschaften – passt das für Ihre Bilder?

Vielleicht eher Seelenlandschaften, Seelenthemen. Es geht immer um Themen, die mich sehr beschäftigen, die ich in Serie umsetze. Ich arbeite immer an mehreren Leinwänden zugleich.

Mein Atelier ist voll Leinwänden, an denen ich gleichzeitig arbeite, ich gehe von Bild zu Bild und da kommt Schicht über Schicht darüber.


Und ist das ein spontaner Prozess, oder konzipieren Sie, planen Sie Bilder?

Die Bilder entstehen spontan, es ist ein bisschen ein Gefühl, als ob ich schwanger gehen würde mit einer Thematik und dann werden die %E2%80%B2Kinder%E2%80%B2 geboren.


Noch einmal zu den Farben, es sind sehr warme Farben, die Sie verwenden. Man hat den Eindruck, sogar das Blau ist warm, obwohl es ja eine kühle Farbe ist – welche Bedeutung haben verschiedene Farben für Sie?

Wenn ich male, dann setze ich Farben eigentlich nur intuitiv ein. Aber ich hatte nach dem Studium ein Stipendium in Italien und habe mich damals sehr intensiv mit der Bedeutung von Farben und Symbolen beschäftigt. Rot zum Beispiel stärkt die Lebensfreude, die Lebensenergie, es gibt Kraft. Man kann das auch sehr bewusst überlegen, welche Bilder tun mir gut, welche Farben tun mir gut. Wenn jemand zum Beispiel sehr cholerisch ist, ist Rot überhaupt nicht gut. Oder wenn jemand eher depressiv ist, dann sind warme Farben optimal. Orange zum Beispiel wirkt sehr unterstützend für die Heilung vom inneren Kind, es ist auch die Farbe der Intimität.

Gelb stärkt das Selbstbewusstsein, die Durchsetzungskraft, wirkt auf das Sonnengeflecht, um den Menschen mit dem zu verbinden, wer er ist, was er will und um damit nach außen gehen zu können.


Ist diese Bedeutung von Farben eigentlich universell oder auch kulturell unterschiedlich?

Interessanterweise decken sich oft Farbzuordnungen, genauso Symbole, und haben in verschiedensten Kulturen dieselbe Aussage. Man könnte sagen, die Symbolik und eigentlich auch der Einsatz von Farben ist eine Art von Ursprache. Zum Beispiel waren die Königsgräber in Ägypten blau ausgemalt und Blau hat einen sehr starken Bezug zur geistigen Welt, also Geist, Verstand, Kommunikation. Ich finde es auch immer sehr spannend und interessant, wenn ich Bilder verkaufe, wer sich von welchen Bildern, von welchen Farben ansprechen lässt, was jeder so braucht.


Sie beschäftigen sich sehr stark mit philosophischen, spirituellen Themen – schreiben Sie auch?

Ich habe einige Zeit Philosophie studiert. Aber was mich an der Malerei so fasziniert ist eben, mit einem Bild etwas zum Ausdruck zu bringen, was jeder versteht, unabhängig von Nationalität oder Sprache, es berührt einen unmittelbarer, es ist eine andere Ebene als das Lesen und wirkt direkt auf das Unbewusste des Betrachters.


Sie haben eine beeindruckende Fülle an Ausstellungen gemacht– was macht Ihren Erfolg aus? Bzw., anders gefragt, würden Sie selbst sich als erfolgreiche Künstlerin bezeichnen?

Das hängt davon ab, woran man den Erfolg misst. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich vom Verkauf meiner Arbeiten leben kann. Und es bedeutet mir auch sehr viel, zu sehen, wie Leute sich an meinen Bildern freuen, dass sie den Menschen Kraft und Energie geben.


Wie lange sind Sie schon als freie Künstlerin tätig?

Eigentlich immer schon. Ich habe schon während des Studiums ausgestellt und wollte auch nie etwas anderes machen. Wobei ich in meiner Ausdrucksart nie so fixiert war auf eine Möglichkeit, ich könnte mir auch vorstellen, wieder fotografisch zu arbeiten oder mit Video. Mir ist es wichtig, das umzusetzen, transparent zu machen, was mir innerlich ein Anliegen ist. Ich kann auch immer wieder los lassen, etwas gehen lassen.


Sie haben schon in sehr vielen Ländern gelebt – macht es für Sie einen Unterschied, wo Sie arbeiten?

Ja, ich habe in Paris, in Italien, und dann eben immer wieder in Indien gelebt. In Indien vor allem genieße ich es, dass ich dort im Freien malen kann und da entstehen einfach andere Bilder, wenn man mitten in der Natur ist. Ich habe das zwar auch in Österreich immer wieder gemacht, mit einer Freundin, die Restauratorin ist. Es ist im Freien wirklich ein anderes Malen.


Inwieweit ist dabei die reale Natur für Sie wichtig, für Ihre Malerei?

Für mich ist die Natur der Lebensraum, in dem ich am ehesten Kraft tanken und mich energetisch nähren kann, neben dem ästhetischen oder optischen Eindruck. Aber die Natur hat für mich den selben Stellenwert wie die bunten Saris der Frauen, also die Farbeindrücke insgesamt sind in Indien wesentlich intensiver als hier, von der Kleidung bis zur Natur, der Himmel, alles.

Bei uns ist alles sehr Grau. Die Farbenpracht wirkt sich natürlich auch auf die Stimmung aus und natürlich auch, dass meistens die Sonne scheint und man sich außer beim Schlafen eigentlich immer im Freien aufhält. Es kommt mir immer unnatürlich vor, wie viel wir uns hier in Häusern aufhalten, obwohl wir es natürlich gewohnt sind und es aufgrund unseres Klimas kaum anders möglich ist.


Sind die Bilder, die Sie bei uns ausgestellt haben, extra für das Atrium gemacht und was hat Sie an diesem Raum besonders fasziniert?

Ja, die Serie %E2%80%B2The Ocean Within%E2%80%B2 ist extra für den Raum gemacht. Fasziniert hat mich die Lichtsituation, das von oben kommende Licht und dann die Pfeiler. Ich wollte auch in der Form der Bilder mit der Energie in diesem Raum, die sehr dieser Ausrichtung nach oben folgt, mitschwingen.


Wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute für Ihre zukünftige Arbeit.


Artikel in der ´ÖBV aktiv´
Sommer 2002, Teil 2

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Artikel in der Zeitschrift ´ÖBV aktiv´, Sommer 2002, anlässlich der Einzelausstellung von Arbeiten von Elisabeth Sula im Atrium der ÖBV, Wien 2002. Eröffnungsrede von Prof. Angelica Bäumer:

Nach der so aufwühlenden wie meditativen Musik, die wir eben gehört haben, fühle ich mich als Eröffnungsrednerin eigentlich fast überflüssig, weil diese Musik musikalisch das ausgedrückt hat, was Elisabeth Sula malt. Beiden Künstlern, dem Musiker und der Malerin geht es nicht um Unterhaltung oder Dekoration, sondern um die Sinnsuche, und jeder, auf seine Weise, will zeigen, dass jeder Mensch eine ganz individuelle Aufgabe auf dieser Welt hat. Es geht um das Wachstum der Seele, um die Wahrnehmung von Außen und Innen, um das Nicht-Getrenntsein, und um den Blickwinkel, der die Verbindung herstellt.

Elisabeth Sula ist seit vielen Jahren oft monatelang in Indien und ihr Leben dort ist eines des Sammelns, nicht nur von Erlebnissen und Eindrücken, sondern auch von Erfahrungen ihrer Seele und ihres Wissens. Und wenn sie diese Ausstellung %E2%80%B2The Ocean within%E2%80%B2 nennt, dann meint sie, dass der Ozean als Bild der Unendlichkeit in jedem von uns ist. Wir sind die kleinen Wellen, die an diesen Ozean grenzen, die aber auch diesen Ozean bewegen. Elisabeth Sula ist bewegt worden durch Indien, denn was ihr dort möglich ist und was wir im Westen schon fast verlernt und verloren haben, ist eine Hingabe an Inhalte, an seelisches Gestimmtsein, an Symbole, an Riten. Wir sind zwar überfüttert mit Bildern, von Persil bis MacDonalds, aber wir haben die Symbole des Lebens und die Symbole der Religion vergessen und die Spiritualität in eine modische Esoterik gedrängt. In Indien ist all das noch lebendig, jede Bewegung im Tanz, jedes Zeichen in der bildenden Kunst hat einen Sinn, hat eine jahrtausendealte Tradition, und dass Elisabeth Sula diese Riten und Zeichen nicht formal übernimmt, sondern ihren Inhalt aufspürt und sie verwandelt in ihre eigene Kunst, das ist das, was an ihr so besonders ist. Sie malt nicht %E2%80%B2indisch%E2%80%B2. Das einzige, was vielleicht indisch ist, das ist ihre Freude an der Farbe. Vielleicht ist die Farbe auch ein Symbol, für Leben, für Noch-am-Leben-sein, für Überleben überhaupt.


Neben der Farbe spielt in Elisabeth Sulas Kunst der Raum eine wichtige Rolle. Und wenn sie auch nicht den Dschungel selbst malt, so sind es doch dschungelartige Formen, in die sie uns führt. Auch wenn es keine Bäume sind, keine verwilderten Pflanzen oder verwuchertes Gestrüpp, so sind es aber die geistigen Räume, der Urwald der Seele, der Regenbogen und der Raum in ihr – in uns. Wir sind berührt von dieser Poesie und Klarheit und wir erfahren, dass Kunst auch etwas Heilendes haben kann. Sie weiß von Menschen, die mit ihren Bildern leben, dass sie das Empfinden haben, von diesen Bildern geht Kraft aus, heilende Kraft.


Wir haben in unserer westlichen materialistischen Welt etwas Wesentliches verlernt: das Hinhören auf die kleinen heiligen Momente, in denen uns bewusst wird, dass wir nur ein kleines Teilchen auf dieser großen Welt sind, aber, dass wir eins sind im Ganzen des Universums. Dieses %E2%80%B2Sein%E2%80%B2 ist ein langer und prozesshafter Weg, der ein Leben lang währt, und auch das Malen ist prozesshaft, das %E2%80%B2Dahinter%E2%80%B2 will erarbeitet werden. Ein Gedanke, eine Idee, ein Traum, eine Erinnerung, alles muss heraus und ins Bild, gefiltert und reduziert, aber mit hoher Konzentration und künstlerischem Anspruch. Und weil das nicht auf einem einzigen Bild möglich ist, so arbeitet Elisabeth Sula manchmal an sechs/acht Bildern gleichzeitig, es ist wie ein Sich-ausschöpfen. Sehr viel Unbewusstes ist in dieser Art von Malerei, daher ist auch der Moment, wo die Malerin erkennt, dass das Bild fertig ist, ein geheimnnisvoller und nicht rational erklärbar. Das Bild ist fertig, wenn all das ausgedrückt ist, was ihr wichtig war, seelisch, künstlerisch, gedanklich und formal. Dann geht sie an das nächste Bild, und wieder ist es eine weiße Leinwand, von der sie sagt, dass sie immer ein bisschen Angst davor hat, bis ein Strich gezogen ist, eine Farbe gesetzt und sich das Bild aufbaut. In Farben und Räume.

In den Bildern von Elisabeth Sula drückt sich eine kreative und empfindsame Persönlichkeit aus, die schon viel in ihrem Leben getan und Verwandlungen in ihrer Kunst erfahren hat. Sie hat experimentiert und immer wieder neue Versuche gemacht, den Inhalten, die ihr wichtig sind, Ausdruck zu geben. Ich glaube nicht, dass diese Bilder das Ende ihrer Entwicklung sind, dazu ist sie zu jung und zu mutig, und dazu ist sie zu neugierig auf sich und auf das Leben. Auch wenn es seit vielen Jahren Indien ist, so hat das Leben sicherlich noch vieles zu bieten, das sie sehen, erfahren und nutzen wird. Ich glaube, dass dieses Nützen und Benützen und Gebrauchen immer einen spirituellen Hintergrund hat. Keinen esoterischen in diesem kitschigen Sinn, der leider heute auch so um sich greift, sondern in jenem geistigen Sinn, den wir ersehnen und brauchen, und der sich in Indien bis heute erhalten hat. Dass sie das spürt, dass sie das aufspürt, dass sie das mitteilt, ist ein Geheimnis und führt zu ihren Bildern, die dieses Haus in eine Farbenpracht verwandeln.


Dr. Hauf hat schon gesagt, dass ihn das freut, und uns freut es auch. Die Bilder geben dem Raum eine neue Dimension, und vielleicht gibt es viele Leute, die das hier sehen, die nur zufällig hereinkommen, um sich eine Versicherung zu holen oder sich zu besprechen, und dann etwas erleben, das sie vielleicht ein bisschen still macht, und vielleicht neugierig, mehr zu erfahren von Kunst, von Licht, von Farbe und letztlich von der Künstlerin Elisabeth Sula.


Elisabeth Sula lässt den Farben ihr freies Leben, aus der Farbigkeit ergeben sich Konturen, Trennlinien, die der Betrachter gerne überschreitet – auf dem Weg ins Bild.

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Aus dem Katalog ´KUNST IM ÖBV - ATRIUM ´ 2005,
Interview von Eva Enichlmayr mit Elisabeth Sula:

Ihre spirituelle Sinnsuche hat die Wiener Künstlerin Elisabeth Sula nach Indien geführt, wobei „Indien“ hier für eine Exotikerfahrung steht, wie sie wohl auch Gauguin in der Karibik und andere vor und nach ihm erlebt haben. In intensiv leuchtendem Magentarot, Orange oder einem azurnen Blau beschwören ihre Bilder die tropische Leuchtkraft jener Sonne herauf und künden von einer üppigen Vegetation ferne den kalten Ländern Europas. Ihre stetige Auseinandersetzung mit westlichen und fernöstlichen Denk- und Handlungstraditionen – Elisabeth Sula studierte neben Malerei an der Universität für angewandte Kunst in Wien auch Philosophie – wurzelt in einer Sehnsucht nach Bewusstheit und Authentizität. Ihre jüngste Serie „Healing Room“ führt folgerichtig auch in imaginäre (Seelen-)Räume, welche dieser aufmerksamen Bewusstheit auf das Selbst gewidmet sind und in denen man „wandeln und sich nähren“ (so die Kunstvermittlerin Andrea Überbacher) kann.


Dieser (Indien-)Reise ins Selbst verdankt sie eine Expansion ihrer Bilder und (Seelen-)Räume sowie eine in manchen Bildern geradezu rauschhafte Explosion ihrer Farbgebung.



Im Rahmen der Ausstellung in der ÖBV im Jahr 2002 haben Sie eine Serie speziell für das Atrium gemacht. Was hat Sie an diesem Raum besonders fasziniert?

Beeindruckt haben mich die Lichtsituation, das von oben kommende Licht und die Positionierung der nach oben strebenden Pfeiler. Ich wollte mit meinen Bildern in der Energie dieses Raumes, die dieser Ausrichtung nach oben folgt, mitschwingen.

Wenn man Ihre älteren Kataloge durchblättert, fällt die starke Veränderung im Laufe der Jahre auf. Wie würden Sie selbst Ihre künstlerische Entwicklung charakterisieren?

Bis Mitte der 90er-Jahre habe ich neben der Malerei und der Fotografie sehr viele experimentelle Materialbilder und Objekte gemacht, vorwiegend plastische Arbeiten mit Papiermaché auf Leinwand und auf Drahtgitter. Papiermaché sieht aus wie Gips, ist aber leichter, nicht so zerbrechlich und lässt sich wie Ton bearbeiten. Sehr viele meiner Arbeiten waren damals in Weiß gehalten, ich nannte sie meine Zen-Serie. Es war mir wichtig, eine Spannung mit reduzierten Mitteln auszudrücken, vor allem mit Licht und Schatten.

Weiße Arbeiten – im Vergleich zu den Bildern, die Sie bei uns ausgestellt haben, da sind doch Welten dazwischen?

Ich habe parallel zu meinen weißen Arbeiten auch eher monochrom gehaltene Bilder gemalt. Die zunehmende Intensität des Farbeinsatzes ist eigentlich durch meine Reisen, vor allem nach Indien, entstanden. Wie hat sich Ihre Beziehung zu Indien entwickelt? Durch meine spirituelle Sinnsuche; ich hatte ein intensives Bedürfnis, einen Abstand zu meinem damaligen Leben zu schaffen und etwas Neues zu beginnen. Beeinflusst hat mich u. a. die Lektüre eines indischen Meisters, eines Philosophen und Literaturprofessors aus Nordindien. Seine Texte haben mich tief berührt und ich begann mich für die indische Kultur zu interessieren. Ich habe mich bei meinen Indienaufenthalten immer reich beschenkt gefühlt – von allem, vom Land, der Kunst und Kultur sowie von den Begegnungen mit den Menschen. Seit 1995 bin ich regelmäßig in Indien. Und ich habe das Gefühl, dass je mehr ich meine eigene Seele ergründe, meine eigene Tiefe kennen lerne und in mir neue Räume eröffne, desto mehr entwickeln sich in meinen Arbeiten neue Bildräume.

Innere Landschaften – passt das als Thema für Ihre Bilder?

Vielleicht eher Seelenlandschaften, Seelenthemen. Es geht mir immer um geistige Inhalte, die mich aktuell sehr beschäftigen und die ich dann in Serie visuell umsetze. Ich arbeite immer an mehreren Leinwänden zugleich und jedes Bild besteht aus vielen übereinander liegenden, großteils lasierenden Acrylschichten.

Was beschäftigt Sie aktuell?

Ich habe heuer ein „Kunst-am-Bau-Gemälde“ im Bildungszentrum des Innenministeriums in Traiskirchen realisiert, bei dem ich mich auf eine Textpassage aus dem Tao Te King von Laotse beziehe. Dessen Weisheit, 600 Jahre v. Chr. geschrieben, empfinde ich als zeitlos gültig. Bildung beinhaltet für mich neben dem Erwerb von Wissen immer auch eine Kultivierung des Herzens. In dieser Arbeit habe ich Farben und Symbole sehr bewusst eingesetzt, während sie in anderen Bildern rein intuitiv einfließen.

Wie ist der Einsatz von Farben und Symbolen in der aktuellen Serie „Healing Room“?

In dieser Serie assoziiere ich innere Räume, in denen man wandeln kann, um sich zu nähren und zu regenerieren. Andrea Überbacher verwies dazu auf Nomadenvölker, die ihre Teppiche als „Ersatzgärten“ in der Wüste mit sich führen. Die Bilder haben für mich bewusst einen orientalischen Charakter, das darin enthaltene florale Element ist eine Metapher für das innere Blühen, die Entwicklung des eigenen Potenzials. Die rechteckige Anordnung der Ornamente kreiert einen geschützten Raum für Entfaltung und Entwicklung.

Sie beschäftigen sich sehr stark mit philosophischen, spirituellen Themen – schreiben Sie auch?

Ich habe parallel zum Kunststudium Philosophie studiert. Aber was mich an der Malerei so fasziniert, ist eben, mit einem Bild etwas zum Ausdruck zu bringen, was jeden unmittelbar berührt, unabhängig von Nationalität oder Sprache. Es ist eine andere Ebene als das Lesen und wirkt direkt auf das Unbewusste des Betrachters. Trotzdem finde ich für die künstlerische Positionierung die stete geistige Auseinandersetzung – auch mit politischen und ökologischen Themen – eminent wichtig.

Sie haben eine beeindruckende Fülle an Ausstellungen gemacht – was macht Ihren Erfolg aus? Oder anders gefragt, würden Sie sich selbst als erfolgreiche Künstlerin bezeichnen?

Das hängt davon ab, woran man den Erfolg misst. In meinen Augen bin ich erfolgreich, wenn es mir gelungen ist, die Essenz meines inneren Anliegens in meinen Arbeiten authentisch umzusetzen! Ich bin glücklich, dass ich vom Verkauf meiner Arbeiten leben kann. Und es bedeutet mir auch sehr viel zu erfahren, wie Leute sich an meinen Bildern freuen und dass sie den Menschen Kraft und Energie geben. Ein erfolgreiches Leben bedeutet für mich in erster Linie einen Reifungsprozess zu größtmöglicher Bewusstheit und Eigenverantwortung.

Wie lange sind Sie schon als freie Künstlerin tätig?

Eigentlich immer schon. Ich habe während des Studiums an der Universität für angewandte Kunst begonnen auszustellen und wollte auch nie etwas anderes als Kunst machen. Wobei ich in meiner Ausdrucksart aber nie so fixiert war auf eine Möglichkeit, ich könnte mir auch vorstellen, wieder fotografisch zu arbeiten oder mit Video. Mir ist es wichtig, die Themen künstlerisch umzusetzen und transparent zu machen, was mir innerlich ein Anliegen ist. Sie haben schon in sehr vielen Ländern gelebt – macht es für Sie einen Unterschied, wo Sie arbeiten? Ja, ich habe unter anderem in Paris, in Italien und immer wieder in Indien gelebt. Es entstehen einfach andere Bilder, wenn man inmitten einer anderen Kultur lebt. Paris ist ein großartiger künstlerischer Nährboden, voll von multikulturellen Eindrücken und Angeboten. In Italien fühle ich mich zu Hause, liebe die Schönheit des Landes und bin verzaubert von den reichhaltigen Schätzen alter Kunst. In Indien genieße ich vor allem den dortigen spirituellen Reichtum, die bunte Vielfalt an orientalischem, exotischem Flair und Ambiente, Kunst und Kultur.

Inwieweit ist die Natur wichtig für Sie?

Für mich ist die Natur der Lebensraum, in dem ich am meisten Kraft tanken und mich energetisch nähren kann –neben dem ästhetischen Reichtum. Aber visuelle Inspirationsquellen sind für mich zum Beispiel auch die bunten Saris der Frauen, die Märkte und die Tempelanlagen Asiens. Die Farbeindrücke dort sind wesentlich intensiver als hier, von der Kleidung über die Architektur bis zur Natur. In unserer westlichen Zivilisation ist der Umgang mit Farbe viel reduzierter. Grau und Schwarz dominieren sicher nicht zufällig in einer konsumorientierten, sinnentleerten Welt.

Welche Unterschiede haben Sie bei Ihren Auslandsaufenthalten bezüglich der Position der Künstlerin in der Gesellschaft und des Umgangs der Gesellschaft mit Kunst im Vergleich zu Österreich erlebt?

Ich empfinde die kollektive Mentalität in Österreich leider häufig noch als sehr reaktionär – was die Achtung und den Respekt für sich und andere betrifft. Dies zeigt sich vor allem in hierarchischen Strukturen. Unter seelisch kultivierten Menschen sind meiner Erfahrung nach Warmherzigkeit und Offenheit selbstverständlicher Ausdruck persönlicher Würde.


Anlässlich der Einzelausstellung von Arbeiten von Elisabeth Sula im Atrium der ÖBV, Wien 2002

Die Überfülle von Bildern und Informationen erschlägt uns täglich aufs neue und wir haben schon fast verlernt uns auf die Botschaft zu konzentrieren und das Wesentliche vom Beliebigen zu trennen. Auch die Kunst hat sich in den letzten Jahrzehnten allzu oft dem Lauten, dem Aggressiven und Plakativen verschrieben. Es muss stets eine Sensation sein, wenn der Künstler überhaupt noch Aufmerksamkeit erringen will.

Genau das aber will Elisabeth Sula nicht. Sie geht in eine innere Welt, auch wenn sie sie mit kraftvollen Farben und durchaus dekorativ darstellt. Es geht der Künstlerin um die individuelle Sinnsuche, und sie will erinnern, dass jeder Mensch eine spezifische Aufgabe auf dieser Welt hat. Es geht ihr um das Wachstum der Seele, um den Zusammenhang von Aussen und Innen, um das Nicht-Getrenntsein, und um den jeweiligen Blickwinkel, der die Verbindung herstellt. The ocean within so der Titel einer Bilderserie, weist auf die Unendlichkeit in uns, das nie Endende, sich stets Erneuernde, das Göttliche, von dem in jedem von uns etwas angelegt ist. Indien wurde für sie zu einer geistigen Heimat, die Jahrtausende alte Tradition gibt ihr Kraft und das bunte Leben färbt sozusagen buchstäblich auf ihre Bilder ab. Distanz und Nähe ist ihr wesentlich und sie fährt nicht als Touristin nach Indien, sondern als eine Vertraute, die aus der räumlichen Distanz die innere Nähe erfährt, das uralte Wissen spürt und in sich und ihre Kunst aufnimmt.

Es ist nicht nur die Farbe, die an ihrem Werk fasziniert, es ist die Räumlichkeit. Auch wenn sie keine Räume malt und keinen Dschungel, es sind raum- und dschungelartige Erfahrungen, wo Räume sich öffnen und erschliessen, so dass wir eintreten können in diese Welt der Phantasie. Darin sind wunderschöne regenbogenartige Objekte, der Urwald unserer Seele, der geheimnisvolle Dschungel, den wir immer schon gesucht haben, in den Märchen unserer Kindheit und den Träumen unseres Alltags. Es ist der Raum in uns, und das ist wie ein Versprechen. Elisabeth Sula zeigt uns diese seelischen Räume in einer Deutlichkeit und einer Poesie, in einer Klarheit, dass wir berührt sind davon, weil sie auch etwas Heilendes haben. Sie weiss von Käufern oder von Menschen, die mit ihren Bildern leben, dass sie das Empfinden haben, von diesen Bildern geht heilende Kraft aus.

In einem Land wie Indien werden dem an Mc Donalds Symbole gewöhnten Westler die wahren Symbole wieder bewusst, und wer sich auf sie einlässt, zu erfahren und zu lernen bereit ist, der erkennt, dass jede Fingerbewegung, jede kleinste Geste im Tanz oder in der Kunst eine lange Tradition hat, die sich aus der Tradition der heiligen Riten nährt und wie selbstverständlich in den Alltag übergegangen ist.

Das Eins-Sein mit dem Göttlichen in und um uns, versteht Elisabeth Sula als den Ausgangspunkt unserer Existenz und den Sinn unseres Daseins. Jeder von uns ist ein kleines Stück des Universums – ich behaupte, die Künstler erfahren dieses Geheimnis des Seins, zeigen es uns und machen Erkennen möglich. So entsteht eine sinnliche Ausstrahlung der Bilder, möglich geworden durch die Hingabe an die eigene spirituelle Sinnsuche.

Für Elisabeth Sula ist, wie für die meisten Künstler, jede weisse Leinwand ein Neuanfang, als hätte es noch kein Bild vorher gegeben und als käme keines mehr danach. Malerisch eher expressiv, sind für sie Licht und Farbe die grosse Anziehung, aber auch der Raum, der durch die zahlreichen Schichten entsteht, die den Betrachter hineinziehen ins Bild, in jene Ebene, die Elisabeth Sula erfahren hat und die sie mitteilen will, und künstlerisch formulieren muss. Der Raum ist vertieft, als würden viele Räume hinter- und übereinander liegen, sich gegenseitig bedingend und aufhebend, immer wieder neu bildend und immer tiefer wirkend. Man geht in ihren Bildern in eine Tiefe der Empfindungen, der Ideen, der Träume, der Sehnsüchte. Für die Künstlerin und wohl auch für den sensiblen Betrachter werden sie in ihren Bildern real.

Bei ihren Aufenthalten in Indien entstehen vor Ort eher kleine Bilder, es ist mehr ein Sammeln, erst in Wien im Atelier kommen die grossformatigen Bilder. Sie malt nicht indisch, sie begegnet der indischen Tradition aber mit grosser Offenheit und eignet sich das an, was sie mit ihrer eigenen Tradition verbinden kann. Das einzige, was vielleicht indisch ist, ist ihre Freude an der Farbe, die sich in dem ganz besonderen Licht in eine Kraft verwandelt, die malerisch ist, aber auch rituell. Das erfährt jeder, der jemals Inderinnen in ihren Saris oder Filme über Indien gesehen oder gar dort gelebt hat, und er weiss, dass die Farbigkeit selbst bei den ärmsten Menschen eine wichtige Rolle spielt. Vielleicht ist auch die Farbe ein Symbol, ein Symbol für Leben, für Noch-am-Leben-sein, für Überleben überhaupt.

Anlässlich einer Ausstellungseröffnung von Arbeiten von Elisabeth Sula spielte ein Musiker auf seiner Bassgeige eine sehr inspirierende Musik. Eine aufwühlende Musik, weil sie in ihrer Essenz etwas vermittelte, was ich Stille nennen möchte und weil in dieser Musik das klang, was Elisabeth Sula malt. Sie sieht das, was sie in Indien erlebt, als ein Stück Unendlichkeit und wenn sie eine Serie Ocean within nennt, dann meint sie, dass der Ozean als Bild der Unendlichkeit in jedem von uns ist. Wir sind die kleinen Wellen in der Ewigkeit des Ozeans, die Wellen, die diesen Ozean bilden und diesen Ozean bewegen. Die Malerin ist durch Indien bewegt worden, wo sie seit vielen Jahren immer wieder für Monate lebt. Ihr Leben in Indien ist ein Sammeln, nicht nur des Sammelns von Erlebnissen und Eindrücken, sondern auch eine Widerbegegnung mit ihrer eigenen Seele, ihres Gemüts, ihrer Erfahrungen und ihres Wissens. Auch ist ihr dort eine Hingabe an die Dinge möglich, die wir hierzulande schon verlernt haben. Diese Hingabe an Inhalte, an seelisches Gestimmtsein, an Symbole, an Riten, die der Westen weitgehend verloren hat. Wir sind zwar überfüttert und überfüllt von Bildern, von Werbung bis Politik, aber wir haben die Kraft von Riten und Symbolen vergessen – die Symbole des Lebens und die Symbole der Spiritualität. Indem Elisabeth Sula diese Riten erlebt und erkennt, aber die Zeichen nicht als Dekoration übernimmt, verwandelt sie sie in Malerei. Auch wenn sie das alles sehr ernst nimmt, will sie nicht bekehren, ihre Bilder sind lediglich ein Angebot an den Betrachter, seine eigenen Assoziationen zu finden, das Bild für sich zu beenden, oder immer wieder neu zu sehen.

Ich glaube, dass wir in unserer westlichen praxis- und konsumorientierten Welt neben vielen anderen Dingen auch verlernt haben Hinzuhören und Wahrzunehmen - weniger die grossen, weltbewegenden, sondern die kleinen, ja, die bescheidenen Momente, in denen uns bewusst wird, dass wir nur ein kleines Teilchen auf dieser grossen Welt sind. Und wir erkennen, dass wir Eins sind mit dem Ganzen, das offensichtlich ein grösseres Gewahrsein gedacht hat, das wir sein sollen oder sein können. Dieses Sein ist ein langer Weg, ein prozesshafter Weg. Auch die Malerei ist ein prozesshafter Weg. Ein Bild malt sich nicht von selbst, und wenn Elisabeth Sula auch spontan malt, so arbeitet sie doch konsequent und seriell. Weil die Inspirationen, die Ideen, die Eingebungen, die Empfindungen heraus und ins Bild gesetzt sein wollen. Das bedarf ganzer Serien und bedeutet, dass sie meist an mehreren Bildern gleichzeitig arbeitet, es fließt durch sie auf die Leinwände, bis diese fertig sind. Sicherlich ist dieses es ein wesentlicher Moment, weil in ihrer Art von Malerei sehr viel Unbewusstes enthalten ist. Sie gliedert die Bilder durch Räumlichkeit, gibt ihnen Licht und Farbe und erzählt geistige Inhalte.

Wenn wir richtig hinschauen lernen und verstehen, dass sich hier eine Seele ausdrückt, eine sehr kreative, eine, die schon unglaublich viel in ihrem Leben gemacht hat und auch unglaubliche Verwandlungen in ihrer Kunst erfahren hat; ich habe sie kennen gelernt, da hat sie Papiermachéreliefbilder gemacht, und das ist viele Jahre her, seither hat sie experimentiert und immer wieder neue Versuche gemacht, um den Inhalten, die ihr wichtig sind, auf die Spur zu kommen. Ich glaube nicht, dass die jetzigen Bilder das Ende ihrer Entwicklung sind, dazu ist sie zu jung und zu mutig, und dazu ist sie zu neugierig auf sich und auf das Leben. Auch wenn es im Moment Indien ist und das seit vielen Jahren, dann hat Indien sicherlich auch noch vieles zu bieten, das sie sehen, erfahren und nutzen wird. Ich glaube, dass dieses Nützen und Benützen und Gebrauchen immer einen spirituellen Hintergrund hat. Dass sie das spürt, dass sie das aufspürt, dass sie das mitteilt, ist ein geistiges und künstlerisches Geheimnis, und es führt zu ihren Bildern, die jedem Raum eine neue Dimension geben und die den Betrachter vielleicht nachdenklich machen und still und neugierig mehr zu erfahren von Kunst, von Licht, von Farbe und letztlich von Elisabeth Sula.

Prof. Angelica Bäumer
Kulturjournalistin und Autorin
Wien, April  2002

Anlässlich der Einzelausstellung von Arbeiten von Elisabeth Sula im Österreichischen Tabakmuseum, Wien 1995

Elisabeth Sulas Lust am Experiment ist greifbar. In schöpferischer Vielfalt wechselt sie Techniken, Medien, Bildsprachen mit einer dennoch durchgängigen Kohärenz der Inhalte. Ausgehend von der befreienden Lektion der Surrealisten über den spielerischen Umgang mit Materialien begann Elisabeth Sula in den 80iger Jahren in Collagen zu arbeiten; Gras, Blätter, Treibholz, Nudeln oder Streuselzucker begegneten auf Leinwand und Papier den Farben. Auf Phasen der expressiv-gestischen Malerei folgten Fotoübermalungen, Collagen, Experimentaldrucke.

1986 beginnt sich die Malerei der Künstlerin von der Wand zu erheben. Den Bildern wachsen Körper, dem Raum entgegen; sie werden zu "Bildobjekten", ohne dabei jedoch die Wand vollends in Richtung freier Skulptur zu verlassen. Während sich in den nahezu frei schwebenden Klangkörpern von 1986 die Leinwandfläche in den Raum aufzurollen scheint, wird sie in den gleichzeitigen Rahmenbedingungen zunehmend durch Schnürungen und Gitterstrukturen ersetzt; lediglich die Rahmen signalisieren die Erinnerung ans Bild.

In den folgenden Jahren kehrt die Malerei in die Fläche zurück, doch die Reliefierung durch Gipsbinden, die Inkorporation von Kupferfolien und Metalldrähten bleiben wesentliche Gestaltungselemente.

Seit 1991 tritt wieder reines Weiß neben die preziös schimmernden Metalliséflächen der Bronze- und Kupferbilder und ihrer expressiv-gestischen Malerei. Im Monochrom der weißen Dispersionsfarbe zeichnet sich nur das Relief des eingearbeiteten Papiermachés ab. Diese Symbole sind formal streng reduzierte Zeichnung und stehen gleichzeitig für die zu konzisen Zeichen verdichtete Thematik der Künstlerin: Sinnsuche - Vision - Portal - Seele - Tag/Nacht ....

Elisabeth Sula folgt in ihrer Symbolsprache einer in der jahrelangen Auseinandersetzung mit der Bildsymbolik archaischer Kulturen konsequent erarbeiteten Syntax. Als "gestaltgebende Mittlerin der allen gemeinsamen Ursprache" sieht die Künstlerin die zentrale Rolle ihrer Arbeiten in der schöpferischen Materialisierung und Vermittlung geistiger Inhalte.

Dr. Georgia Illetschko
Kunsthistorikerin
Wien, Herbst  1995


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